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Porzellanmarken bestimmen: Leitfaden für Sammler

Porzellanmarken und Bodenmarken richtig bestimmen: Gekreuzte Schwerter, Kronen und Co. erkennen, Fälschungen entlarven und Porzellan datieren.

Von Ayoub Farid · · 3 Min. Lesezeit

Porzellanmarken und Bodenmarken verraten dir oft die Manufaktur, die Dekorwerkstatt und den Herstellungszeitraum – allerdings gehören sie auch zu den am häufigsten gefälschten Kennzeichnungen in der Welt der Antiquitäten. Betrachte eine Marke daher immer als Indiz, nicht als endgültigen Beweis.

Wie Porzellanmarken aufgebracht werden

  • Unterglasurmarken (oft in Blau): Werden vor dem Glasieren aufgemalt; die schützende Glasur liegt sichtbar über der Farbe.
  • Aufglasurmarken: Werden auf die bereits gebrannte Glasur gemalt oder gestempelt; oft nachträglich von Porzellanmalern oder Dekorstudios angebracht.
  • Blindstempel / Pressmarken: Direkt in die feuchte Porzellanmasse eingedrückt.
  • Ritzmarken und Nummern: Eingeritzte Arbeits-, Modell- oder Formnummern.

Berühmte europäische Marken (und ihre Fälschungen)

  • Gekreuzte Schwerter – Das weltbekannte Zeichen von Meissener Porzellan. Es wurde von zahllosen anderen Manufakturen nachgeahmt. Mehr dazu unter Meissener Porzellanmarken.
  • Bienenkorb / Bindenschild – Typisch für Porzellan im Wiener Stil (Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien); extrem häufig als Reproduktion auf Zierporzellan zu finden.
  • Ineinander verschlungene Ls – Die Manufakturmarke von Sèvres gehört ebenfalls zu den am meisten gefälschten Stempeln überhaupt.
  • Kronen, Anker und Buchstaben – Beliebte Bildmotive bei vielen englischen und mitteleuropäischen Manufakturen (z. B. KPM Berlin, Dresden, Ludwigsburg).
  • Limoges – Bezeichnet eine französische Region mit vielen verschiedenen Werkstätten; Stempel enthalten meist „Limoges“ zusammen mit dem Namen der jeweiligen Manufaktur. Siehe auch Limoges-Marken.

Ein bekanntes Markenzeichen auf einem Stück mit mittelmäßiger Bemalung und einem groben Standring ist ein klares Warnsignal.

Asiatische Porzellanmarken

Chinesisches Porzellan trägt häufig Regierungsmarken (Reign Marks), die oft aus früheren Epochen ehrfürchtig kopiert wurden. Japanisches Porzellan weist meist Ofenmarken, Künstlersignaturen oder Herkunftsstempel wie „Nippon“ oder „Japan“ auf. Siehe dazu Chinesische Porzellanmarken und Made in Occupied Japan.

Manufakturmarke vs. Dekormarke

Viele Porzellanstücke wurden als sogenannte Weißware in einer Manufaktur hergestellt und anschließend in einem separaten Atelier bemalt. In solchen Fällen entdeckst du oft zwei Marken: die des Porzellanherstellers und die des Dekorateurs. Beide sind wichtig, wenn du Sammlerstücke exakt bestimmen möchtest.

Porzellan anhand von Marken datieren

Manufakturen haben ihre Marken im Laufe der Jahrzehnte immer wieder leicht verändert – durch zusätzliche Punkte, Kronen, Landesbezeichnungen oder spezielle Jahreszeichen. Wenn du deine Variante exakt mit einem Nachschlagewerk abgleichst, lässt sich das Alter stark eingrenzen. Allgemeine Hinweise zu Aufschriften findest du in unserem Leitfaden für Keramik- und Porzellanmarken.

Das gesamte Stück überprüfen

Gleiche die Bodenmarke immer mit dem Gesamtbild ab:

  • Qualität der Handmalerei und der Vergoldung
  • Transluzenz (halte das Stück gegen eine Lichtquelle)
  • Beschaffenheit, Glätte und Abrieb des Standrings
  • Form und stilistische Merkmale der Epoche

Marke scannen

Fotografiere das Objekt sowie die Bodenmarke bei gutem Tageslicht und scanne beides mit AntiqueIQ, um eine Bestimmung, die geschätzte Epoche und eine erste Preisspanne zu erhalten. So kannst du Antiquitäten per Foto bestimmen und die gefundene Marke anschließend gezielt abgleichen.

Häufig gestellte Fragen

Bedeuten gekreuzte Schwerter immer, dass es sich um Meissener Porzellan handelt?

Nein, keineswegs. Zahlreiche Manufakturen haben sehr ähnliche Schwertermarken verwendet, und es gibt viele Fälschungen. Qualität, Porzellanmasse, Bemalung und Details müssen exakt zum Original passen.

Wie erkenne ich, ob es sich um echtes Porzellan handelt?

Echtes Hartporzellan ist im Gegenlicht meist leicht lichtdurchlässig (transluzent), erzeugt beim sanften Anschlagen einen hellen, klaren Klang und zeigt an eventuellen Bestoßungen einen dichten, feinen, muscheligen Bruch.

Was bedeutet eine blaue Marke unter der Glasur?

Sie wurde vor dem Glasieren direkt auf den Scherben gemalt – typisch für hochwertige Manufakturmarken. Sie lässt sich nachträglich schwerer fälschen als eine Aufglasurmarke, wird bei Nachbildungen aber dennoch regelmäßig imitiert.

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