Antiquitäten fotografieren: Für Bestimmung und Verkauf
So gelingen perfekte Fotos von Antiquitäten mit dem Smartphone: Licht, Hintergründe, Stempel und Schäden für Bestimmung und Verkauf optimal erfassen.
Von Ayoub Farid · · 3 Min. Lesezeit
Ein gutes Foto macht den Unterschied zwischen einer „unbekannten Vase“ und einem echten Sammlerstück von Royal Doulton aus den 1920er-Jahren. Es entscheidet auch darüber, ob sich ein Objekt schnell verkauft oder monatelang liegen bleibt. Du brauchst dafür kein teures Fotostudio – dein Smartphone, ein Fenster und ein paar einfache Handgriffe reichen völlig aus.
Licht: Tageslicht statt Blitz verwenden
- Platziere das Objekt in der Nähe eines großen Fensters, aber außerhalb von direktem Sonnenlicht.
- Schalte gelbliche Deckenlampen aus, damit die Farben unverfälscht und natürlich bleiben.
- Verzichte auf den Kamerablitz: Er erzeugt störende Reflexionen auf Glas, Silber sowie Glasuren und lässt Oberflächenstrukturen flach wirken.
- Nutze ein weißes Blatt Papier oder weiße Pappe auf der Schattenseite, um das Licht sanft zu reflektieren.
Hintergrund: Schlicht und neutral
Ein weißes Bettlaken, eine cremefarbene Wand oder ein einfacher Holztisch eignen sich hervorragend. Gemusterte Tischdecken und überladene Regale lenken ab und erschweren es, Antiquitäten per Foto bestimmen zu lassen – egal ob durch Experten oder eine Antiquitäten-App. Bei Silber und Glas hebt ein mittleres Grau oder sanftes Creme die Kanten oft besser hervor als reines Weiß.
Die unverzichtbare Foto-Checkliste
Diese Aufnahmen solltest du von jedem Stück machen:
- Frontalansicht, gerade von vorne, das Objekt füllt den Großteil des Bildes aus
- Schrägansicht (Dreiviertel-Perspektive), um Tiefe und Form zu zeigen
- Rückseite – hier finden sich oft wichtige Hinweise zur Herstellungsweise
- Boden oder Unterseite, besonders wichtig bei Keramik, Glas und Porzellan
- Marken und Signaturen, gestochen scharf als Nahaufnahme
- Details: Beschläge, Holzverbindungen, Verzierungen oder Scharniere
- Beschädigungen: Abplatzungen, Risse, Restaurierungen – zeige diese stets ehrlich
- Größenvergleich: Ein Foto mit einem Lineal oder einer Münze daneben
Stempel und Marken fotografieren
Bodenmarken oder Prägungen sind oft abgenutzt oder schwer erkennbar. So gelingen scharfe Bilder:
- Streiflicht nutzen: Fällt das Licht seitlich flach ein, werden vertiefte Prägungen sofort sichtbar.
- Fokus manuell setzen: Tippe auf deinem Bildschirm direkt auf die Markierung und halte das Handy ruhig.
- Keinen Digitalzoom verwenden: Gehe stattdessen mit der Kamera näher heran, um die Bildqualität nicht zu verschlechtern.
- Entferne vorher vorsichtig Staub mit einem weichen Pinsel.
Erfahre mehr darüber in unseren Ratgebern zu Porzellanmarken und Silberpunzen.
Schwierige Materialien meistern
- Glas: Fotografiere vor einem hellen Hintergrund mit leichtem Gegenlicht, um Farbe, Schliff und Transparenz einzufangen.
- Silber und Messing: Dämpfe das Licht mit einem dünnen Vorhang, um blendende Reflexionen und dein eigenes Spiegelbild auf Sterlingsilber (925) oder versilberten Stücken zu vermeiden.
- Gemälde: Fotografiere Gemälde exakt frontal und ohne Rahmenverzerrung; mache zudem immer ein Foto der Rückseite der Leinwand.
- Schmuck: Gehe extrem nah heran, wähle einen schlichten Hintergrund und fotografiere Punzen an Verschlüssen gestochen scharf.
- Möbel: Tritt zunächst zurück für eine Gesamtaufnahme; ziehe danach Schubladen heraus, um Zinkenverbindungen und Konstruktionsdetails zu zeigen.
Für Antiquitäten-Apps
Apps wie AntiqueIQ funktionieren am besten mit einer frontalen Aufnahme vor einem ruhigen Hintergrund, auf der das gesamte Objekt gut sichtbar ist. Wenn das erste Ergebnis nicht passt, versuche einen anderen Blickwinkel oder scanne gezielt die Bodenmarke. Mehr dazu findest du in unserem Guide zum Thema Antiquitäten per Foto bestimmen.
Für den Verkauf
Käufer auf Plattformen oder bei einer Haushaltsauflösung schätzen ehrliche Bilder. Wenn du Mängel offen zeigst, vermeidest du spätere Rückgaben und Streitigkeiten. Verwende für alle deine Sammlerstücke denselben Hintergrund, um deinem Angebot einen professionellen Look zu geben. Lies hierzu auch wo du Antiquitäten am besten verkaufen kannst.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Hintergrund eignet sich am besten für Antiquitätenfotos?
Ein schlichter, neutraler Hintergrund in Weiß, Creme oder Hellgrau – ohne auffällige Muster oder störende Gegenstände im Bild.
Sollte ich den Blitz beim Fotografieren einschalten?
In der Regel nein. Natürliches Tageslicht an einem Fenster liefert realistischere Farben und verhindert störende Lichtreflexe auf Glasuren und Metall.
Wie viele Fotos sollte ich machen?
Um Antiquitäten bestimmen zu lassen, reichen meist drei bis fünf Bilder inklusive der Stempel. Für den Verkauf solltest du mindestens acht Aufnahmen machen, die auch alle Gebrauchsspuren und Beschädigungen ehrlich abbilden.